Freitag, 30. April 2010
Lederbach wird teilweise verrohrt – die betonierte Rinne bleibt
Nachdem die Aufenthaltsqualität in der Schongauer Innenstadt gleich null ist, soll wenigstens in den Außenbereichen für nichtmotorisierte Senioren eine Flaniermöglichkeit geschaffen werden. Und welches Gebiet eignet sich da besser als die Lechvorstadt. Dort gibt es immer wieder Klagen, dass dieser Stadtteil vom pulsierenden Leben in der Kleinstadt Schongau praktisch abgeschnitten ist: kein vertakteter Stadtbusverkehr, so gut wie keine Einkaufsmöglichkeiten, aber immerhin noch die Pizzeria »Da Pina« an der Lechbrücke.
Insgesamt waren es vier Gewerke (Kanal, Vegetation, Stahlbau sowie Überlaufbauwerk am Kuislweiher), die in der letzten Stadtratssitzung mit einer Gesamtsumme von 111.281,50 Euro (bezogen auf die Bauabschnitte 2 und 3) vergeben wurden.
Wir – die Stadtratsfraktion der Alternativen Liste – haben die Ausführung der Bauabschnitte 2 und 3 abgelehnt. Diese Planung (als „städtebauliche Ordnungsmaßnahme“ definiert) erfüllt in keinster Weise unsere Vorstellungen von der Renaturierung eines Bachlaufes.
Der Bauabschnitt 1 ist bereits ausgeführt. Aufgrund des im April gefassten Beschlusses im Stadtrat wird nun das Areal (rund um das von Fritz Holzhey geschaffene Anwesen für Senioren) durch weitere »Sanierungsmaßnahmen« aufgewertet. Eine Fußwegverbindung zum Lech entlang des Lederbachs (der allerdings – ins Rohr verlagert – im Fußwegbereich nicht zu sehen sein wird) ist vorgesehen. Sehr unbefriedigend für uns ist die Planung für den Bauabschnitt 4. Die so genannte betonierte Trapezrinne soll nur notdürftig „saniert“ werden. Dieses knapp 200 Meter lange Teilstück des Lederbachs nördlich des Holzhey-Anwesens führt fast kein Wasser und die vor vielen Jahrzehnten ausgeführte Betonierung ist inzwischen ziemlich marode. Unter der bröckligen Betonschicht – so sagen auch Anwohner – senkt sich das Erdreich, und es ist davon auszugehen, dass die Hohlräume immer größer werden. Man darf also gespannt sein, wie das »Gerinne« nach der »Sanierung« aussehen wird. Die »Trapezrinne« soll ja lediglich „ausgeräumt“ und „ausgebessert“ werden, was im Herbst 2010 – oder später – vorgesehen ist. Eine Renaturierung dieses Teilstücks ist leider (aus Kostengründen!) nicht vorgesehen und die Ausschreibung der Arbeiten noch nicht erfolgt!
Bei der Vergabe der Gewerke an die wirtschaftlich günstigsten Bieter kamen ausschließlich Schongauer Firmen zum Zug. Dass die heimische Wirtschaft von diesen zum Teil fragwürdigen Sanierungsarbeiten (mit Städtebaufördermitteln!) so toll profitiert, kann wenigstens als erfreulich abgehakt werden – und ist gewiss mehr als nur ein Trostpflaster. Nach Angabe der Verwaltung werden die Kosten der gesamten Maßnahme mit allen 4 Bauabschnitten auf etwa 200.000 Euro geschätzt.
Sigi Müller, Stadtratsmitglied
Das in wesentlichen Teilen betonierte Bachbett führt kaum Wasser. Das rechte Bild zeigt die neue künstlich bewässerte Bach-Anlage östlich des Holzhey-Areals. In der städtebaulichen Voruntersuchung »Lechvorstadt mit Bahnhofsareal« heißt es: „Die heutige oberirdische Entwässerung des Kuislweihers erfolgt in einem künstlichen Bachbett“ (...) „Der faule Graben (Lederbach) ist in einem sehr schlechten baulichen Zustand, eine gestalterische Einbindung fehlt.“
Montag, 26. April 2010
Mobilfunk-Antennen auf Dächern städtischer Gebäude?
Jetzt sind sie wieder auf der Suche nach neuen Standorten: die Firmen Vodafone, E-Plus usw. rüsten ihre Netze auf! Mit Mobilfunkantennen, das hat auch die geschäftstüchtige Stadtratsmehrheit erkannt, lassen sich die dramatisch weggebrochenen Steuereinnahmen wenigstens teilweise ausgleichen. Der städtische Bauhof wäre doch geradezu ideal, war dazu im Bauausschuss zu hören. Natürlich gibt es wieder ein paar unverbesserliche Skeptiker (nicht nur von der ALS!), die aus „Gewissensgründen“ Einnahmen von mehr als 3000 Euro (fast ohne Gegenleistung!) im Jahr ablehnen.
Sigi Müller, Stadtrat
Sonntag, 11. April 2010
BEIM RAMADAMA DABEI
Auch Mitglieder der ALS waren am Samstag, 10. April beim Ramadama der CSU dabei. Die Merkurpresse hat dies bemerkt und schreibt Folgendes:
»Hätte es einen Preis für die aktivste Familie gegeben, diesen hätten mit Sicherheit Bettina Buresch und ihre Familie bekommen. Sie war mit Mann Markus und den drei Söhnen vor Ort. Mit ihren Rädern grasten sie die Randgebiete ab, wie auch die Siechenhalde am Krankenhausberg. Dort lagen dutzendweise leere Flaschen, die achtlos den Hang hinunter geworfen werden.«
Donnerstag, 1. April 2010
REAKTIONEN ZUM »GESUNDEN« PAUSENVERKAUF AN DEN SCHULEN
Hintergrundinfos
Aufgrund der GEW-Pressemitteilung zur Schulverpflegung vom 17. Februar 2010 sind nicht nur im OHA, sondern auch in den »Heimatzeitungen« (Schongauer Nachrichten und Kreisboten) Artikel erschienen. Während im Kreisboten eine gekürzte Fassung der Pressemitteilung mit den wesentlichen Punkten der GEW-Mitteilung zu finden war, beruhte der Artikel in den Schongauer Nachrichten weitgehend auf eigenen »Recherchen«. Es wurden vorwiegend Schulleiter und Hausmeister um Stellungnahmen gebeten. Und heraus kam die Titelzeile: „Gesund statt süß, lautet die Devise!“ (Schongauer Nachrichten, 16.03.2010)

Die Forderung der örtlichen GEW-Gruppe lautete: „Süßwaren gehören nicht ins Sortiment“. In ihrer Pressemitteilung wird kritisiert, dass die Vorgabe in den Schulordnungen, wonach der Verkauf von Süßwaren in den Schulen grundsätzlich nicht erlaubt ist, vielfach nicht umgesetzt wird.
Das Bild zeigt einen Teil des Süßwaren-Angebots am Schongauer Gymnasium.
Zwei Kommentare zum Pausenverkauf
„Die Schule ist kein normaler Lebensmittelladen“
VON GREGOR SCHUPPE
Die Situation des Pausenverkaufs mag sich verbessert haben, gut ist sie dennoch noch nicht. Der Schulleiter, Herr Gebler, vom Gymnasium meint, dass beim Angebot an den Schulen „Vielfalt garantiert“ werden müsse. Dies finde ich grundsätzlich richtig. Aber müssen zu dieser Vielfalt Pudding, Eis, Schokoriegel, Gummibärchen (...) gehören? Ich meine nein. Daneben entspricht es nicht meinen Vorstellungen, wenn Schüler als „Kunden“ gesehen werden. Der Pausenverkauf in den Schulen ist eben kein normaler Lebensmittelladen, der rein betriebswirtschaftlich sowie gewinn- und kundenorientiert handeln muss.
Grundsätzlich ist die Hinführung zu gesunder Ernährung sicher eine originäre Aufgabe der elterlichen Erziehung.
Aber es kann doch nicht sein, dass das Pausenangebot in den Schulen den elterlichen Bestrebungen geradezu diametral entgegensteht. Schließlich kann die Institution Schule ihren Erziehungsauftrag auch in diesem wichtigen Lebensbereich nicht abstreiten. Zumal offensichtlich viele Eltern dieser Erziehung zum gesunden Essen nicht mehr nachkommen (können?). Wie sollen die Schüler denn die Vorzüge regionalen Wirtschaftens und ökologisch produzierter und vor allem gesunder Produkte kennen lernen? Sicher nicht mit Bounty und Snickers.
Somit kann der logische Schluss nur sein, dass an den Schulen ausschließlich nachweislich gesunde und wenn möglich auch regional produzierte und vertriebene Lebensmittel angeboten werden. Die Schüler werden sie kaufen – schließlich sind sie zum Einen mehr oder weniger auf den Pausenverkauf in der Schule angewiesen – da diese weitestgehend konkurrenzlos sind. Zum Anderen – und das ist das wichtigere Argument – sind diese Produkte sehr wohl schmackhaft und attraktiv.
Mit »Industrieschrott« wird an Schulen viel Geld verdient
VON SIGI MÜLLERAls Kultusminister Zehetmair im Jahre 1988 den Verkauf von Süßwaren an Schulen per Order als »unzulässig« erklärte, wandte ich mich als Lehrer der Berufsschule Schongau an die damalige Schulleitung mit der Bitte, diese Weisung des Ministers umzusetzen. Ich solle das doch nicht so eng sehen, hieß es beschwichtigend. Berufsschüler seien ja schon älter und damit auch „vernünftiger“. Appelle müssten reichen. So war es damals. Und wie ist es heute nach zwei Jahrzehnten? Hat sich da etwas Entscheidendes verändert? Fehlanzeige! Immer wieder werden ähnliche Empfehlungen von den jeweiligen Kultusministern herausgegeben und von den Verantwortlichen an vielen Schulen nachhaltig ignoriert. Der ungesunde Industrieschrott ist dort beliebter denn je und wird sogar – z. B. an der Schongauer Berufsschule – in vorderster Reihe präsentiert. Denn mit gut sortierten Süßwaren-Paletten lässt sich eben gutes Geld verdienen. Für den gesicherten »Kundenstamm« der Schulverpfleger sorgt ja der Staat und die »gesunde«(?) Milchschnitte zwischen all den Plastikbeuteln sorgt fälschlicherweise auch noch fürs gute Gewissen.
Im Artikel „Gesund statt süß, lautet die Devise!“ (Schongauer Nachrichten, 16.03.2010) wurde zu voreilig der Eindruck erweckt, dass beim Pausenverkauf in den Landkreisschulen im Wesentlichen »gesunde Speisen« serviert werden. Allerdings hätte der Blick auf das Angebot genügt, um anderes festzustellen.
Warum hat sich die Journalistin z. B. am Gymnasium Schongau nicht die Preisliste angeschaut? Dort sind »Esswaren« zu finden wie Neapolitaner, Snickers, Twix, Kinderriegel, Doppelkeks, Mars, Kitkat Chunky, Milka Tender, PicUp Keksriegel usw. Diese Palette scheint ja nicht gerade die »gesunde Ernährung« zu bestätigen.

